An(ge)dacht

alt        

         

     

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 

Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. 

Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft.“
 
               (1. Kor 15, 42)
 
Es ist bereits November, wenn Sie diesen Gemeindebrief zum ersten Mal in Ihren Händen halten. Mitten im Herbst. Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Viele Vögel sind in wärmere Regionen gezogen. Die Blätter an den Bäumen haben keine Kraft mehr. Ein kleiner Windstoß genügt, um sie von ihrem Zweig zu wehen.

Die Blätter fallen, immer mehr. Und am Ende stehen Bäume kahl da. Die Natur ruht. Und im Winter liegt sie da wie tot.

Doch längst sitzen an den Zweigen die neuen Knospen. Kaum sichtbar. Zwar liegen die dunklen Tage des Winters noch vor uns, aber wir wissen nach dem Winter kommt der Frühling mit neuem Leben. Werden  und  Vergehen gehören zusammen.

Die Vorgänge in der Natur können auch ein Bild für unser Leben sein. Schon die Psalmbeter und Dichter wussten das. Auch Paulus bedient sich dieses Bildes. 

Und nicht von ungefähr ist der November der Monat, in dem wir Christen unserer Verstorbenen gedenken. Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag.

Auf dem Friedhof werden wir uns bewusst: Wir alle sind sterbliche Wesen und leben nicht ewig. Auch unser Miteinander ist begrenzt. Wir haben einander nicht für immer – zumindest nicht hier. Und dennoch: Mit Paulus haben wir die Hoffnung auf neues Leben, auf einen Frühling, dem kein Herbst und kein Winter mehr folgt. Solche Hoffnung ist keine Vertröstung. Solche Hoffnung kann uns verändern. Schon hier und jetzt.
 
Ihr Pfarrer Matthias P. Hörning