An(ge)dacht

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Aschermittwoch

 

Mit Aschermittwoch beginnt in diesem Jahr am 14. Februar die Passionszeit. Nach der weihnachtlichen Freude mit vielen Geschenken und dem Trubel der Faschingstage markiert der Aschermittwoch für mich jedes Jahr einen Einschnitt: die Passion Jesu Christi, sein Leiden bis hin zum Kreuzestod stehen bis zum Osterfest im Mittelpunkt.

 

Der Name Aschermittwoch verweist auf den alten Brauch, das Haupt mit einem Kreuz aus Asche zu bezeichnen. Asche über das Haupt zu streuen ist bereits im Alten Testament als Zeichen der Buße belegt.

 

Seit dem 5. Jahrhunder war es auch üblich, in den 7 Wochen von Aschermittwoch bis Ostern  ein vierzigtägiges Fasten einzuhalten. Die Zahl 40 hat einen hohen biblischen Symbolgehalt: 40 Jahre wandert das Volk Israel durch die Wüste, 40 Tage und Nächte fastet Jesus in der Wüste und auch die Sintflut dauert 40 Tage und Nächte. Wer genau hinschaut, merkt allerdings, dass die Zeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag länger als 40 Tage dauert. Das liegt daran, dass herkömmlich die Sonntage von der Berechnung ausgespart blieben, weil an ihnen die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird

 

Im Protestantismus gab es bereits zwischen Luther und Zwingli unterschiedliche Positionen zum althergebrachten Brauch des Fastens: 1522 nahm in Zürich die Reformation durch ein demonstratives Wurstessen in der Fastenzeit, bei dem auch Zwingli anwesend war, so richtig Fahrt auf. Luther warnte zwar davor, im Fasten ein heilsnotwendiges Werk oder gar einen Zwang zu sehen, lehnte es aber nicht rundweg ab, sondern sah im Fasten ein Mittel leiblicher Übung.

 

Als Form der Einkehr, als Mittel zur Besinnung findet das Fasten auch unter evangelischen Christen immer mehr Anklang. Fasten muss dabei nicht nur das Einstellen der Nahrungszufuhr bedeuten. Fasten kann auch das Abstandnehmen von bestimmten Gewohnheiten oder den Verzicht auf einzelne Genussmittel sein. So wie beim Frühjahrsputz der Haushalt von unnötigem Krempel entsorgt wird, befreit mich Fasten von unnötigem Ballast und ermöglicht eine Fokussierung auf das Wesentliche.

 

Seit vielen Jahren schon gibt es die Mitmachaktion „7 Wochen ohne“. Unter wechselnden Mottos ermuntert sie Menschen zum Verzicht und gibt dabei geistliche Impulse, die man sich ganz einfach per Email zuschicken lassen kann. Vielleicht lassen auch Sie sich anregen?

 

Ich wünsche Ihnen für die anstehende Passionszeit, in evangelischer Freiheit einen Zugang zum Leiden Jesu Christi und Inspiration für Ihr Leben zu finden.

 

Ihr Vikar

Simon Kerwagen