An(ge)dacht

alt

"Seid dankbar

in allen Dingen."

1. Thess. 5, 18

 

 

 

„Jetzt sag‘ noch schön Danke “ - spricht die Mutter, deren Kind gerade in der Metzgerei ein Stück Gelbwurst bekommen hat. Ich denke diese Szene kennt jeder. Auch die Fortsetzung, falls das Kind - was doch naheliegend ist - lieber schnell die Scheibe Wurst in den Mund schiebt, als „Danke“ zu sagen: „Wenn du nicht Danke sagst, bekommst du das nächste mal nichts mehr!“

Eine ganz alltägliche und eigentlich banale Szene. Aber sie zeigt uns: Schon früh wird uns beigebracht: Danken ist so etwas wie ein Automatismus. Das tut man halt so, ohne groß darüber nachzudenken. Worüber auch nachdenken? Ich bekomme was, ich sage Danke und fertig.

Und wenn ich nicht Danke sage, dann bekomme ich auch nichts mehr. So einfach ist das.

Nun ist es ja tatsächlich nicht so, dass uns Höflichkeit und Dankbarkeit angeboren wären. Deshalb ist es ja auch gut, dass wir unseren Kindern manche Dinge zunächst einmal „antrainieren“ und dann erst gemeinsam darüber nachdenken, was wir eigentlich tun. Aber Nachdenken sollten wir schon, weil Danke sagen und dankbar sein können zwei verschiedene Dinge sein.

Wenn der Apostel Paulus betont: „Seid dankbar in allen Dingen!“, dann meint er keinen Automatismus, sondern eine Grundhaltung der Dankbarkeit, die unser ganzes Leben prägen soll. Er meint nicht: „Sagt immerschön danke, weil sich das schließlich gehört“, als würde es Gott auf bloße Höflichkeitsformeln ankommen. Sondern er meint Dankbarkeit als innere Haltung, als Bewusstsein davon, dass alles - und damit meine ich nicht nur die großartigen Dinge, sondern wirklich alles, auch das selbstverständliche - ein Geschenk ist. Unverdient.

Wer dankbar ist, der hat mehr vom Leben, weil er wahrnimmt, wie großartig doch alles ist, selbst noch das kleinste Detail. Wer dankbar ist, der nimmt wahr, wie großartig das eigene Leben ist; selbst dann, wenn   nicht alles so läuft wie geplant.

Und wie komme ich zu dieser Grundhaltung des Dankens? Ganz einfach: Ich setze mich am Ende eines ganz normalen Tages hin und denke darüber nach, was gut war. Denke an die kleinste Kleinigkeit. Das Lächeln der Verkäuferin im Supermarkt. Das Lied, das mich kurz in einen Tagtraum entführt hat, vielleicht auch nur an den Sonnenstrahl, der mich wärmte, oder an das leckere Essen am Abend mit der Familie .

Probieren Sie es doch mal aus!

 

Ihr Matthias P. Hörning