An(ge)dacht

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"Du sollst Urlaub machen"

 

Was sich anhört wie ein biblisches Gebot, steht so freilich nicht in der Bibel. Zumindest nicht wörtlich, aber dem Sinn nach schon. Wörtlich steht dort: "Gedenke des Ruhetags, um ihn zu heiligen!" Eine seltsame Vorschrift, die Gott seinem Propheten Mose mitgab! Sie steht auf der steinernen Gesetzestafel gleich neben den Geboten, nicht zu töten, zu stehlen, zu lügen. Die leuchten sofort ein und sind in allen Religionen und Kulturen bekannt. Das Gebot, einen Ruhetag einzuhalten und zu heiligen, ist jedoch eine jüdisch-christliche Besonderheit.  
 
Nun wusste Mose vor gut 3000 Jahren noch nichts von überfüllten Stränden und Bettenburgen. Auch die Ritter im Mittelalter nicht. Aber den Urlaub kannten sie schon. Wenn ein Ritter „Urloup“ bekam, hieß das schlicht, ein höher stehender Herr oder eine Dame hatte ihm erlaubt wegzugehen. Den ersten Erholungsurlaub
im heutigen Sinn erhielten höhere preußische Beamte - zunächst nur bei ärztlicher Verordnung. Und erst im letzten Jahrhundert kam es zu einer gesetzlichen Regelung über allgemeinen Erholungsurlaub für Arbeiter und
Angestellte.
 
Heute ist der bezahlte Jahresurlaub zumindest in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Und das ist gut so. Denn egal wo und wie ich Urlaub mache, es muss eine Zeit im Jahr geben, die anders ist als der Alltag. Dabei geht es nicht nur darum, dass ich endlich Zeit habe, in die Natur zu gehen, zu lesen, zu spielen und auch zu faulenzen. Es geht auch darum, dass ich das ohne schlechtes Gewissen, ohne Druck machen kann. Es wird in Haus und Garten immer etwas ungetan bleiben. Auf der Arbeit bleibt auch oft Unerledigtes zurück. Aber Urlaub heißt: Lös dich da heraus. Gönn dir jetzt etwas, was sonst zu kurz kommt. Und nur, wenn wir diese Auszeit nehmen, wenn wir für ein paar Tage wenigstens aus dem gewohnten Trott ausbrechen, werden wir den Alltag wieder mit neuer Kraft meistern können. Es muss eine Zeit im Jahr geben, die anders ist als der Alltag - eine Zeit, die mir „heilig“ ist, weil ich mich in ihr wieder damit beschäftigen kann, was mich „heil“ macht. Das gilt für den wöchentlichen Ruhetag, den Sonntag, genauso wie für den Urlaub.


Und wie soll dieses Jahr der Urlaub sein: voller Aktivitäten oder mit viel Ruhe? Zuhause bleiben oder verreisen? Freilich hängt das auch vom Geldbeutel und vom Temperament ab. Aber egal wie und wo Sie Ihren
Urlaub verbringen, nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Urlaub ist kein Leistungsvergleich. Mein schönstes Urlaubserlebnis wird nicht von der Zahl der Museen, der gereisten Kilometer oder dem exotischsten Essen bestimmt. Mein schönstes Urlaubserlebnis hängt vor allem mit den Menschen zusammen, die mit mir den Urlaub erleben, sei es weit weg in Irland oder daheim auf Balkonien.  
 
Einen schönen Urlaub wünscht


Ihr

Matthias P. Hörning