An(ge)dacht

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Monatsspruch Mai:

"Es ist keiner wie du, und

ist kein Gott außer dir."

2. Samuel 7, 22

 

 

König David hat hochfliegende Pläne. Er will für seinen Gott ein Haus bauen. Einen Tempel wie ihn noch keiner gesehen hat. Gut vorstellbar, dass er sich dadurch auch selber einen Namen machen und Geschichte schreiben will. Aber Davids kluger Berater, der Prophet Nathan, sieht in einem Traum, dass diese Pläne zu groß für ihn sind. Gott hat andere Pläne: Ein anderer – nicht David - wird das Projekt vollenden und den Tempel bauen. David erkennt das an, gibt sich schließlich zufrieden, lobt Gottes Größe und spricht: „Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“

Hochfliegende Pläne: der Treibstoff des Lebens, der Motor des Fortschritts. Wir alle kennen das: Wir brennen für eine Idee oder sind begeistert von einem Projekt. Wie schön wäre es, etwas Großes, Bleibendes zu schaffen – und ganz nebenbei noch in die Geschichtsbücher einzugehen und sei es nur die Ortschronik des Heimatdorfes.
Aber dann kommt etwas dazwischen. Steine liegen im Weg. Ich komme an die Grenzen meiner Kraft. Und ich muss eingestehen: Was ich mir vorgenommen habe, ist zu groß für mich, ich schaffe es nicht.

Liebe Leser, das gehört womöglich zu den schwierigsten Aufgaben des Lebens: die eigenen Grenzen zu erkennen, Pläne loszulassen – und dann das erträumte Bild von mir deckungsgleich zu machen mit einem, das mich zeigt, wie ich bin. Das ist nicht einfach. Das macht zunächst auch traurig. Aber – vielleicht auch erst viel später – auch demütig und dankbar.

Denn es ist so befreiend, nicht mehr den Plänen hinterherjagen zu müssen, an denen ich mich nur verheben und scheitern kann. Es ist so erlösend, mir sagen zu lassen, dass ein anderer es zu Ende bringen wird: Er, der ist wie sonst keiner, dessen Güte und Wahrheit weiterreichen als meine Kraft und mein Leben. Er, der nicht nach dem fragt, was ich Großes vorzuweisen habe, sondern mich annimmt, wie ich bin. Schon hier und jetzt.

 

Ihr Matthias P. Hörning