Die Reformation und Gegenreformation in Mainfranken

 

 

Sehr früh hielt die reformatorische Bewegung ihren Einzug in Mainfranken.[1] In Bamberg und in Würzburg haben die jeweiligen Domkapitel die Anhänger dieser neuen Bewegung geduldet und teilweise sogar gefördert. So war z.B. der Würzburger Fürstbischof Melchior Zobel (1544-1558) ein Förderer Michael Beuthers. Johann Schöner wurde in Bamberg vom Bischof Georg III. Schenk von Limpurg unterstützt. Erst zu Beginn der Gegenreformation änderte sich die Lage drastisch. Auch viele weltliche Herrscher bereiteten damals der Reformation den Weg.[2] „Die zahlreich inmitten der geistlichen Territorien lebende reichsunmittelbare Ritterschaft begrüßte die Reformation freudig. Sie standen z. T. mit Wittenberg in persönlichem Kontakt. Die Reformatoren waren mit den jungen Gemeinden in brieflicher Verbindung, erteilten Ratschläge und stärkten aus dem Wort.“[3] Albrecht Schübel hat in seiner Darstellung der Reformationsgeschichte Mainfrankens sehr gut diesen wichtigen Beitrag der Ritterschaft für die Reformationsbewegung in Unterfranken herausgearbeitet. Sehr früh schloss sich z.B. Graf Georg von Wertheim der reformatorischen Bewegung an. Schließlich wurde die Stadt Schweinfurt, die sich zur Reformation bekannte, zu einem wichtigen Zentrum dieser Bewegung. An den Karlstädter Humanisten kann man ferner die guten Kontakte und Verbindungen innerhalb dieses Neuaufbruchs im Zeitalter des Humanismus und der Reformation erkennen. Die Universitäten in Erfurt und später in Wittenberg waren wichtige Orte für diese Karlstädter Humanisten und Reformatoren. Andreas Bodenstein war es schließlich, der 1525 die erste evangelische Predigt in Karlstadt hielt.

 

Vieles war in Bewegung und in diesen Jahren des Umbruchs noch möglich. Erst 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden und spätestens 1573 mit dem Amtsantritt von Julius Echter in Würzburg sollten sich die Verhältnisse dann grundlegend ändern.

 

 

Die Fürstbischöfe in Würzburg (1466 bis 1573)

 

Karlstadt ist eine Gründung des Würzburger Bischofs Konrad von Querfurt und wird 1225 erstmals urkundlich erwähnt. Am 23. Juli 1493 gelang es dem Fürstbischof Rudolf von Scherenberg das verpfändete Amt und die Stadt Karlstadt wieder einzulösen.[4] Karlstadt war nun wieder unter bischöflicher Herrschaft. Deshalb sollen die für die Reformationszeit wichtigen Würzburger Fürstbischöfe hier kurz dargestellt werden.

 

Fürstbischof Rudolf von Scherenberg(1466-1495) führte durch eine Reform des Klerus und die Stärkung der geistlichen Gerichte das Hochstift Würzburg zu neuer Macht und Größe. Religiöse und soziale Reformen wurden im Keim erstickt und rigoros unterbunden. So wurde 1476 Hans Böhm aus Helmstadt, der Pfeiffer von Niklashausen, als Aufrührer und Anführer in Würzburg auf dem Schottenanger verbrannt.

 

Gleichzeitig betraten in jenen Jahren weitsichtige und angesehene Prediger die Domkanzel. Der Domprediger Dr. Johannes Reiß, der wie die Karlstädter Humanisten in Erfurt studiert hatte, war ein überzeugter Gegner des Handels mit Ablassbriefen und Förderer einer Erneuerung der Kirche. 1517 sollte Andreas Bodenstein sein Nachfolger werden. Leider scheiterten die Verhandlungen, so dass die Stelle 1520 an Dr. Paul Speratus vergeben wurde. Dieser heiratete 1521 und verließ Würzburg. Franz Machilek vermutet, dass Speratus bereits in Würzburg im Sinne der Lehre Luthers gepredigt hat.[5] Auf Empfehlung Martin Luther wurde er dann Hofprediger bei Herzog Albrecht von Preußen und erster evangelischer Bischof von Pomesanien und damit ein Amtvorgänger von Johannes Drach[6]. Auch einer seiner Nachfolger, Johannes Gramann, der in Wittenberg bei Martin Luther studiert hatte, wurde, als er 1525 Würzburg bereits wieder verlassen hatte, in Nürnberg evangelisch. Als Mitverfasser der preußischen Kirchenordnung und Organisator des Schulwesens war er „einer der Bahnberecher der Reformation in Preußen“[7]. Zu nennen wäre noch der Domprediger Johann Haner, der sich 1526 ebenfalls der reformatorischen Bewegung anschloss. Allein an diesen Dompredigern, deren weiteren Lebenswegen und ihrer Bedeutung für die Reformation kann man sehen, welche Offenheit damals in Würzburg für die neuen Gedanken geherrscht hat.

 

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1495 wurde der Domprobst Lorenz von Bibra zum neuen Bischof ernannt. Ihn verband eine enge Freundschaft mit Kurfürst Friedrich dem Weisen, den Landesherrn und Förderer Martin Luthers. Sehr aufmerksam und auch wohlwollend beobachtete er den Beginn der Reformation. Auf der Durchreise übernachtete Luther 1518 in Würzburg. Am 19.04.1518 wurde er von Lorenz von Bibra auf der Festung Marienberg empfangen. Ausgestattet mit einem Kredenzbrief konnte Luther dann die Weiterreise antreten. Noch 1519 bittet Lorenz von Bibra in einem Schreiben den Kurfürsten von Sachsen, Martin Luther unter seinen Schutz zu nehmen und „den frommen Mann Dr. Martinus nicht wegziehen zu lassen“. Albrecht Schübel sieht in ihm gar einen Unterstützer Martin Luther und vermutet, „dass die Reformation im Hochstift Würzburg einen anderen Verlauf genommen hätte, wäre Bischof Lorenz von Bibra nicht schon am 6. Februar 1519 gestorben“[8].

 

 

Mit Konrad von Thüngen (1519-1540) wurde ein Kandidat zum Bischof gewählt, der jeder Reform sehr kritisch gegenüber stand. Aus Rom wurde er schon bei seiner Ernennung aufgefordert, „darüber zu wachen, dass im Bistum Würzburg Luthers Irrlehre nicht Platz greife“[9]. So wurde z.B. der geistliche Rat und Chorherr von Neumünster Friedrich Fischer seines Amtes enthoben und aus dem Stift verbannt. Fischer war übrigens zusammen mit Lucas Cranach am 13.06.1525 Trauzeuge bei der Hochzeit Martin Luthers. 1520 wurde im Hochstift Würzburg das Verbot erlassen, an der Universität in Wittenberg zu studieren. Jede Verbindung zur reformatorischen Bewegung sollte im Keim erstickt werden. Konrad von Thüngen war es auch, der Andreas Bodenstein steckbrieflich suchen ließ. Dennoch verbreitete sich die reformatorische Bewegung vor allem Dank der Unterstützung durch die Grafschaften Wertheim, Henneberg, Castell, Limpurg und Rieneck. Auch Vertreter aus der Reichsritterschaft stellte sich immer deutlicher auf die Seite des Wittenberger Reformators. Burkhard Hund von Wenkheim war einer der Ritter, die Martin Luther im Auftrag des Kurfürsten Friedrich von Sachsen auf die Wartburg entführt hatten. Während des Bauernkrieges floh Konrad von Thüngen aus Würzburg und kehrte erst nach der vernichtenden Niederlage der Bauern dorthin zurück. Werner Zapotetzky sieht deshalb auch in Konrad von Thüngen das Gegenstück zu dem „freisinnigen“ Lorenz von Bibra. Er „regiert, durch die Ereignisse des Bauernkrieges verhärtet, mit eiserner Hand und lässt Wiedertäufer und abgefallene Geistliche verbrennen“[10].

 

altNur vier Jahre regiert  Konrad III. von Bibra (1540-1544) in Würzburg. Nach einer kurzen Ruhepause war es dann aber sein Nachfolger Freiherr Melchior Zobel von Guttenberg (1544-1558), der bis 1551 sehr konsequent gegen die Evangelischen vorgegangen ist. Dann aber wurden sie dennoch mit Nachsicht geduldet. Unter ihm diente auch der evangelische Jurist Michael Beuther. Er vertrat das Hochstift bei den Verhandlungen über einen Religionsfrieden in Augsburg. Im Zuge des „Grumbachschen Händels“ wurde Würzburg überfallen und der Bischof durch die Schächer des Ritters Wilhelm von Grumbach ermordet.

 

 

altUnter dem Fürstbischof Friedrich von Wirsberg (1558-1573) kam es zu den ersten Weichenstellungen für die Durchsetzung der Gegenreformation im Hochstift. Schon 1559 hat er in einem Briefwechsel mit Petrus Canisius, einem Freund und Wegbegleiter von Ignatius von Loyola, die Gründung eines Jesuitenkollegs in Würzburg angeregt. 1563 erfolgte dann die Beauftragung eines Predigers, 1567 wurde das Gymnasium eröffnet und 1569 wurden alle Klöster streng visitiert. Albrecht Schübel gibt einen guten Einblick in diese Anfangszeit der Gegenreformation: „Canisius hatte seinen Ordensgeneral über die kirchlichen Zustände im Fürstbistum ständig auf dem Laufenden gehalten. So berichtete er 1559:

 

„Die Irrlehre hat den Katholiken in Franken kaum noch Weniges übrig gelassen.“ – 1562: „Die adeligen Domherren leben in Würzburg in größter Ungebundenheit.“ – 1565: „Die Stadt Würzburg ist von den falschen Glaubenslehren überschwemmt. Der Klerus ist mehr militärisch als geistlich und voll von Lastern.“ – 1567: „Ich finde hier das Erntefeld in traurigem Zustand. Der Adel ist hier zahlreich, aber man zählt darunter nur noch drei oder vier Katholiken.“[11]

 

Aus dem Todesjahr des Fürstbischofs ist die Klage des Kirchners am Domstift überliefert, dass viele Würzburger Bürger sich auf dem lutherischen Kirchhof bestatten lassen. Die lutherische Lehre hatte in der Stadt und im Hochstift viele Anhänger gefunden. Es kam jedoch nicht zu deren Zusammenschluss und zu Gemeindegründungen, so dass eine breite und organisierte evangelische Bewegung in Würzburg nicht nachweisbar ist.

 

Friedrich von Wirsberg hat jedoch sehr konsequent die Gegenreformation in Mainfranken vorbereitet, die sein Nachfolger Julius Echter dann mit harter Faust durchführen sollte.

 

 

Die weltlichen Territorien

 

Das Geschlecht der Grafen von Wertheim hatte unmittelbaren Einfluss auf die Ausbreitung der Reformation in Mainfranken. Erstmals wurde im Jahr 1165 ein Graf Poppo von Wertheim als Zeuge bei der Verleihung eines Privilegs durch Friedrich Barbarossa an das Kloster Bronnbach urkundlich erwähnt. Jener Poppo nannte sich voller Selbstbewusstsein „von Gottes Gnaden Graf von Wertheim“. In den folgenden Jahren zeigen mehrere Urkunden immer wieder diese Nähe der Wertheimer Grafen zu den Staufern.

 

altZu Füßen der gräflichen Burg entstand in jener Zeit die Stadt Wertheim. Im Jahr 1214 hat Graf Poppo II. für sein Seelenheil dem Kloster Heilsbronn mehrere Besitzungen übereignet. Die dazugehörige Urkunde wurde „in urbe Wertheim“ ausgestellt. Bereits um 1200 war mit dem Bau der Stadtbefestigung begonnen worden. So entstand in der Stauferzeit die Grafschaft Wertheim mit einem umfangreichen Eigen- und Lehensbesitz.[12] Bereits 1306 wurde der Stadt Wertheim durch König Albrecht I. das Frankfurter Stadtrecht verliehen. Im 14. und 15. Jahrhundert gelang des Wertheimer Grafen schließlich ihre Herrschaftsrechte auszubauen und zu festigen. Bereits in der Goldenen Bulle wird das Geschlecht derer von Wertheim unter den reichsfreien Grafen genannt. Dieser rechtliche Status der Reichsunmittelbarkeit[13] ermöglichte den Grafen von Wertheim die Durchsetzung der Reformation bereits vor dem Augsburger Religionsfrieden, der erst 1555 jenen im Reich gültigen Grundsatz des „cuius regio, eius religio“[14] formuliert hat.

 

Zur Zeit der Reformation war Michael II. von Wertheim der regierende Graf. Er hatte seinem Sohn Georg II. von Wertheim sehr früh, jedoch ohne selbst abzudanken, in Staatsangelegenheiten weit reichende Vollmachten erteilt. Graf Georg nahm daraufhin an Grafen- und Reichstagen teil und vertrat die Grafschaft politisch nach außen. 1521 reiste er zum Reichstag nach Worms. Als Vertreter des Grafenstandes findet er sich dort unter den Teilnehmern der Kommission, die Martin Luther verhört hat und Luther zum Widerruf bewegen sollte. Unter der Leitung des markgräflich-badischen Kanzlers Veuß verhandelte diese Kommission mit Martin Luther, nach dessen Bekenntnis vor Kaiser und Reichstag, um diesen zu einem gütlichen Vergleich zu bewegen. Luther blieb jedoch standhaft. „Der Eindruck, den Luther auf den Grafen gemacht hat, muß überzeugend gewesen sein, denn alsbald ist Graf Georg von Wertheim auf der Seite der Reformation zu finden.“[15]

 

Nach dem Reichstag zu Worms begann Georg von Wertheim mit der Durchsetzung der Reformation in der Grafschaft. Schon 1522 bat er Martin Luther um Übersendung eines geeigneten Predigers, dem er 100 Goldgulden Jahresgehalt in Aussicht stellte. „Luther nannte das in einem Brief an Spalatin „ein herrliches Beispiel“.“[16] Zunächst sandte Luther den Prediger Dr. Jakob Strauß nach Wertheim. Die Zusammenarbeit zwischen dem ungestümen Prediger und dem Wertheimer Grafen war jedoch schwierig, sodass Strauß bereits Ende Oktober wieder entlassen wurde und Wertheim verlassen musste. „Nach Strauß kam Franz Kolb nach Wertheim, ein ehemaliger Kartäuser, gebürtig aus Inzlingen bei Lörrach. Graf Georg sandte ihn nach Wittenberg zu Luther, damit er sich dort Anweisungen für seine Wertheimer Predigttätigkeit geben ließ. Als Grundregel empfahl ihm Luther, wie dieser in einem Brief an Graf Georg schrieb, „das er zuvor des wortt wol treybe, ehe man ettwas endere, bis man sehe, wie der glaube und die liebe zu nympt im volck.“ Dies bedeutete, dass nichts abgeschafft werden sollte, ehe man sich nicht darüber im Klaren war, was an dessen Stelle treten konnte.“[17] Vermutlich hatte Graf Georg den neuen Prediger bereits auf dem Reichstag in Nürnberg im Jahr 1522 kennen gelernt. Franz Kolb war ein umsichtiger Mann mit großem Weitblick, der den weiteren Verlauf der Reformation in der Grafschaft Wertheim entscheidend prägen sollte. Erwähnt wird auch ein Diakon Leonhard, der ihm als Mitarbeiter an die Seite gestellt worden war. Noch ein dritter Prediger hält sich für kurze Zeit in Wertheim auf. Johannes Drach, der 1523 vom Bischof von Mainz als Pfarrer von Miltenberg vertrieben worden war, wird von Graf Georg in Wertheim als Schutzbefohlener aufgenommen. Auch in dieser Episode zeigt sich der Großmut des Wertheimer Grafens, der Glaubensflüchtlinge, „welche von Gotteswort wegen anderswo vertrieben waren, in Fried und Frommheit in seiner Herrschaft wohnen ließ“.

 

Schon 1524 berichtete Franz Kolb in einem Brief an Martin Luther über den Fortgang der Dinge in Wertheim. Ein lutherischer Gottesdienst in deutscher Sprache mit Predigt und Abendmahl wurde eingeführt. 1524 ließ Graf Georg eine Zusammenstellung der vier Evangelien, eine sogenannte „Evangelienharmonie“ drucken. Seine Landeskinder sollten die Bibel in deutscher Sprache lesen und studieren können. Außerdem ließ er noch im selben Jahr von den Kanzeln öffentlich verkündigen, dass das Zutrinken und Gottschwören an Leib und Seele gestraft werden solle. An die Pfarrer der Grafschaft erging schließlich folgende eindringlich Mahnung: „Es sollen hinfüro alle Pfarrherren, denen das Wort Gottes befohlen ist zu predigen, dem Volk getreulich das Evangelium und die Lehre Christi, unseres Behalters und Seligmachers, lauter, rein und christlich predigen“.[18] Mit dieser Ermahnung wurde die Reformation der Grafschaft endgültig von Landesherrn angeordnet. Aus späteren Äußerungen des Grafen kann man jedoch erschließen, dass noch 1525 nicht alle Pfarrstellen der Grafschaft mit evangelischen Geistlichen besetzt waren. Nun war es aber nur noch eine Frage der Zeit, bis auch jedes Dorf sich der neuen Lehre angeschlossen hatte.

 

Zwischen 1526 und 1530 wurde in Wertheim von dem ehemaligen Franziskanermönch Johann Eberlin von Günzburg eine lutherische Kirchenordnung, die wahrscheinlich die älteste Kirchenordnung der Reformation in Bayern darstellt, verfasst und auf gräflichen Befehl in der gesamten Grafschaft eingeführt. 19 Pfarreien übernehmen in der Folgezeit die Wertheimer Kirchenordnung. 1528 erließ Graf Georg eine neue Feiertagsordnung, die die Abschaffung der Heiligenverehrung regeln sollte. Dennoch war das Handeln des Grafen von hoher Toleranz und Milde geprägt. Ein Mandat aus dem Jahr 1529 gegen die Zwietracht wegen ungleicher Lehre ist hierfür ein eindeutiger Beleg. Hermann Ehmer sieht in diesem Mandat eine „für die Geschichte des Toleranzgedankens höchst bemerkenswerte Verlautbarung“[19], die den Untertanen volle Glaubensfreiheit und damit ein Nebeneinander von katholischen und evangelischen Gottesdiensten in der Grafschaft ermöglicht hat. Zur Superintendentur Wertheim gehörten damals u.a. folgende Gemeinden: Billingshausen, Hasloch, Marktheidenfeld, Helmstadt, Ober- und Unteraltertheim, Kreuzwertheim, Laudenbach, Remlingen und Uettingen. Große Teile dieser Superintendentur bilden noch heute mit den Kirchengemeinden Karlstadt und Thüngen die Region West im Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Würzburg.

 

altAb 1530 versuchte Graf Georg von Wertheim, nachdem er von seinem Vater Michael von Wertheim dafür freie Hand erhalten hatte, auch in Laudenbach die Reformation einzuführen. Hierbei sollte er jedoch auf große Widerstände seitens des Bischofs von Würzburg stoßen. Schon zu Beginn des Jahres 1530, dem Jahr, in dem die Augsburger Konfession von Melanchthon vor Kaiser und Reich verlesen wurde, forderte Georg von Wertheim den Priester von Laudenbach auf, die Pfarrei und den Ort zu verlassen. Ein evangelischer Pfarrer sollte seine Stelle einnehmen. Der Abt von Neustadt, der das Patronatsrecht in Laudenbach innehatte, protestierte energisch. „Darauf antwortete Georg, er habe geboten, den Priester zu entlassen, da er „bei einer Hure zu Hause sitze“ und großes Ärgernis errege.“[20] Auf Druck des Würzburger Bischofs musste Georg von Wertheim zunächst seine Pläne fallen lassen. Die Pfarrstelle in Laudenbach blieb vakant. Der Pfarrer Jakob Werndt von Uettingen predigte daraufhin mehrmals in Laudenbach. Das Wertheimer Stadtbuch nennt Werndt in den Jahren 1539-1548 manches Mal sogar als Pfarrer von Laudenbach, mehrfach jedoch auch als Pfarrer von Billingshausen. In den Rechnungen der Pfründe finden sich in jenen Jahren Rechnungen, die auf eine Instandsetzung des Laudenbacher Pfarrhauses durch die Wertheimer Grafen hinweisen. Werndt blieb vermutlich bis zu seinem Tod im Jahr 1549 oder 1550 in Laudenbach. Schließlich kam es dann zu keiner weiteren Besetzung der Pfarrstelle mit einem evangelischen Pfarrer. Der Bischof in Würzburg konnte alle Versuche erfolgreich verhindern.

 

Im April 1530 starb Graf Georg von Wertheim. Bei seiner Leichenfeier sprachen 19 evangelische Pfarrer der Grafschaft einen Nachruf. Unter ihnen befand sich auch der Pfarrer Ruprecht von Billingshausen. Mit dem Tod des Wertheimer Grafen mussten nun die Weichen für die Zukunft neu gestellt werden. Als 1531 auch Graf Michael stirbt, wird der erst ein Jahr alte Michael III. sein Nachfolger. Mit 18 Jahren übernimmt er die Regentschaft und zeigt sich ebenfalls als Freund und Förderer der Reformation. Schon 1531 war das Augsburger Bekenntnis in allen Kirchen der Grafschaft öffentlich verlesen worden. Mit der Annahme dieser Bekenntnisschrift fand die Reformation in der Grafschaft Wertheim ihren Abschluss.

 

Nach dem Tod Michael III. im Jahr 1556 kam es dann jedoch zur Verteilung des Wertheimer Erbes. Auch hier wird deutlich, wie abhängig die reformatorische Bewegung in ihren Anfangsjahren von der Unterstützung durch weltliche Herrscher war. Die Wertheimer Grafschaft wurde nach dem Tod des letzten Wertheimer Grafen aufgeteilt. Uettingen und Helmstadt wurde an treue Beamte übergeben. Die Grafen von Castell, die sich nach dem Augsburger Religionsfrieden ebenfalls der Reformation angeschlossen hatten, erhielten Billingshausen, Oberaltertheim, Unterhaltertheim und die Hälfte von Remlingen. Ludwig von Stolberg-Königstein übernahm den Großteil des Wertheimschen Besitzes. 1561 übergab er Laudenbach wieder an den Würzburger Bischof. Damit war die kurze evangelische Episode der Pfarrei Laudenbach endgültig beendet

 

Im Gebiet der Herren von Thüngen kam es erst viel später zur Einführung der Reformation und zur Ausgestaltung eines evangelischen Kirchenwesens.[21] Über die Anfänge des Geschlechts der Herren von Thüngen lässt sich leider sehr wenig sagen. Die erste urkundliche Erwähnung eines Karl und Eylhard von Dungethi findet sich in einer Güterschenkungsurkunde des Schweinfurter Grafen vom 05.11.1100. Beide bezeugten damals diese Güterschenkung und befanden sich vermutlich in einen Lehensverhältnis zu den Grafen in Schweinfurt. Im 12. Jahrhundert werden außerdem noch ein Cunrath von Tungedin und ein Albert von Tungeden erwähnt. „Urkundlich belegter Stammvater der nun einsetzenden Reihe der milites de Tungen ist der etwas später auftretende Fritz oder Dietz I.“[22]

 

Jener Dietz I. hatte würzburgische, fuldische und hennebergische Lehen inne. Seine Söhne Andreas und Lutz begründeten schließlich die beiden Hauptlinien des Geschlechts derer von Thüngen. 1303 wurden die jüngeren Thüngen dann als Inhaber einiger würzburger Burglehen auch im Ort Thüngen genannt. Bis ins 15. Jahrhundert konnten die Herren von Thüngen einen umfangreichen Besitz, gerade auch im unteren Saaletal[23] erwerben.

 

Leider wissen wir heute sehr wenig über Einstellung der Herren von Thüngen zur reformatorischen Bewegung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Erst im Jahr 1551 wurde durch Neidhard II. von Thüngen die Reformation in seinem Besitztum eingeführt. In Thüngen trat ein evangelischer Pfarrer seinen Dienst an, „dessen Nahm unbewußt were“[24] und der vermutlich um das Jahr 1572 in Thüngen gestorben ist. Von 1551 an wurden dann in der Dorfkirche evangelische Gottesdienste gefeiert. In den folgenden Jahren kam es jedoch immer wieder zu Auseinandersetzungen mit dem Würzburger Bischof, der wohl nicht bereit war, „sich ohne weiteres mit der Abtrennung Thüngens und Heßlars von ihrer bisherigen Mutterkirche Stetten abzufinden“.[25] Der Augsburger Religionsfriede von 1555 gab nun auch der Reichsritterschaft das Reformationsrecht. So konnten die Landesherrn nun frei über die Religion bzw. Konfession ihrer Untertanen verfügen. Damit war die Einführung der Reformation im Besitz der von Thüngen auch rechtlich abgesichert. Es entstanden evangelische Kirchengemeinden in den Orten Thüngen, Bonnland, Burgsinn, Dittlofsroda, Gräfendorf, Höllrich – Heßdorf, Mittelsinn, Windheim und Zeitlofs. 1564 wurde die Gräfendorfer Kirchenordnung verfasst, die das evangelische Kirchenwesen in den thüngenschen Kirchengemeinden regeln und vereinheitlichen sollte.

 

In Thüngen kam es in den Wirren des dreißigjährigen Krieges dann im Jahr 1631 zu dem Versuch einer gewaltsamen Rekatholisierung. Am Morgen des 12.01.1631 besetzten 150 Musketiere den Ort. Kirche, Schule und Pfarrhaus wurden umstellt. Der Pfarrer, sowie der Schulmeister, wurden aufgefordert, den Ort binnen acht Tagen zu verlassen. Johanna Rosina von Thüngen protestierte daraufhin energisch gegen diesen Willkürakt und versuchte zunächst vergeblich, ihr Recht einzufordern. Der Stettener Pfarrer las daraufhin die Messe in der Thüngener Kirche und wurde der Gemeinde als neuer katholischer Seelsorger präsentiert. Thüngen sollte wieder eine Filiale der Pfarrei Stetten werden. Johanna Rosina gelang es in den folgenden Wochen ihre Untertanen dazu zu bewegen, sich diesem neuen katholischen Pfarrer zu verweigern. Einem Bericht über die Visitation der Pfarrei Stetten aus dem Sommer 1631 ist zu entnehmen, dass Johanna Rosina mit ihrer Organisation des Widerstandes wohl sehr erfolgreich gewesen sein muss, da es dort heißt, „die Einwohner von Thüngen würden in ihrem Starrsinn verharren“[26]. Erst der Einfall der Schweden beendete diesen erfolglosen Versuch einer Rekatholisierung Thüngens.

 

So blieb der Ort Thüngen auch nach dem Westfälischen Frieden eine evangelische Gemeinde, die dann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Betreuung der evangelischen Christen in Karlstadt und Umgebung beauftragt wurde. Karlstadt wurde zunächst eine Filialgemeinde Thüngens, später ein exponiertes Vikariat derselben und erst im Jahr 1951 eine eigenständige Evang.-Luth. Kirchengemeinde.

 

 

 

Die erste lutherische Kirchenordnung in der Grafschaft Wertheim

 

Im Jahr 1931 konnte der Pfarrer Fritz Kobe aus Knielingen im Archiv der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Remlingen ein wichtiges Dokument entdecken und veröffentlichen. Er fand dort eine alte handschriftliche Agende. Sehr schnell wurde ihm klar, dass es sich hierbei um eine Abschrift der ersten lutherischen Kirchenordnung für die Grafschaft Wertheim handeln musste. Bereits im alten Pfarrbuch der Kirchengemeinde Remlingen hatte er einen Hinweis auf diese Abschrift gefunden. Dort wurde vermerkt, dass im Jahr 1559 der Remlinger Pfarrer in der Kanzlei zu Wertheim eine Abschrift eben jener Kirchenordnung verfasst hatte. Das in Leder gebundene Buch in Quartformat hat einen Umfang von 109 handgeschriebenen Seiten und gibt jene Wertheimer Kirchenordnung wörtlich wieder, die zwischen 1526 und 1530 von Johann Eberlin von Günzburg verfasst und bis 1563 innerhalb der Grafschaft in Gebrauch war. Kobe gelang der Nachweis[27], dass es sich bei dieser Abschrift tatsächlich um eine wortgetreue Kopie jener Wertheimer Kirchenordnung handeln muss.

 

In dieser Kirchenordnung finden sich nach einer einführenden Vermahnung an die Geistlichen Abschnitte über die Gestaltung der Gottesdienste, der deutschen Messe, der Kasualien, eine Aufzählung der Fest- und Feiertage, eine Tauf- und Abendmahlsordnung, sowie eine Auflistung von Kollektengebeten und anderer Gebete.

 

Der Abschnitt über die Ordnung der Messe gibt uns auch heute noch einen guten Einblick in die Gestaltung der Gottesdienste in jener Frühzeit der Reformation.

 

„Am Feiertag hält man Meß, so dann der Diener oder andere Andacht haben zu Communiciren, solches mag man auch am Werktag thun in solchem Fall. Es soll frei gelassen werden, gebrauchten Meßgewandt, gewöhnlich chorrock, gewöhnlich Kelch, Corporal etc. Zu thun oder zu Lassen, wie den gewissen abtringlich ist, auf dass ärgernuß und Verwirrung der gewissen vermieden werde. Wann die Predigt aus ist, singt man ein Teutschen Psalm Johannis Huß Vom Nutz und rechten gebrauch der Meß, nemlich Jesus Christus etc. die ersten 2 Vers. Dieweil man solche 2 ersten Vers singet, Bereitet der Diener, was zum Tisch gehört, und sollen her tretten, welche zum Sacrament gehen wollen, die Männer auf die Rechte Seiten, die Weiber auf die Linke, fein ordentlich und züchtig zu gehen, nicht Mann und Weib durch ein ander, sondern Weiber nach den Männern. So das Lied geendet, Kehre sich der Diener zu dem Volk und spreche diesen öffentlichen paraphrasin auch die angehengte ermahnung an die, so zum Sacrament gehen wollen.“[28]

 

In Laudenbach wurde in den Jahren nach 1539 von dem Pfarrer Jakob Werndt Gottesdienste gemäß dieser ersten Wertheimer Kirchenordnung gefeiert. Seit 1525, dem Jahr in dem Andreas Bodenstein erstmals nach der Reformation in St. Andreas gepredigt hat, fanden auch in Karlstadt regelmäßig evangelische Gottesdienste statt. Erst mit der Gegenreformation im Jahr 1585 wurde in Karlstadt jeglicher evangelische Gottesdienst verboten. Sechzig Jahre lang trafen sich in Karlstadt immer wieder Christen, um miteinander einen evangelischen Gottesdienst zu feiern. Ob sie sich dabei an jener Kirchenordnung aus Wertheim orientiert haben lässt sich nach der gegenwärtigen Quellenlage weder ausschließen noch nachweisen.

 

 

Die Gegenreformation im Bistum Würzburg

 

Die Geschichte und der Verlauf der Gegenreformation im Bistum Würzburg sind untrennbar mit dem Fürstbischof Julius Echter verbunden. Die Person Julius Echter und seine Rolle in der Gegenreformation sind bis heute jedoch immer noch umstritten. Dieses wird sehr gut an zwei erst kürzlich erschienen Abhandlungen über das Leben und Wirken des Würzburger Fürstbischofs deutlich. Für Gottfried Mälzer[29] gehört Julius Echter unbestreitbar „zu den großen, weit über ihre Zeit hinaus bedeutenden Gestalten der deutschen Geschichte im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation“[30].

 

Er unterstreicht in seiner Biografie des Würzburger Fürstbischofs dessen kirchliches, gesellschaftliches, wirtschaftliches und geistiges Wirken und kommt folglich zu dem Schluss, dass kein anderer Würzburger Bischof eine bedeutendere Wirkungsgeschichte hatte, als Julius Echter. „Kein anderer Bischof … fand im Bewusstsein der fränkischen Bevölkerung einen so festen Platz wie er. Kein anderer ist ihr so lebhaft und anschaulich in Erinnerungen geblieben. Unter den Fürstbischöfen, die das Hochstift Würzburg bis 1802 regiert haben, darf er dem Rang nach den ersten Platz für sich beanspruchen. Er hat in seiner langen, 44 jährigen Regierungszeit, wie kein anderer das Land und seine Bewohner geprägt.“[31]

 

Zu Recht weist Mälzer auf die Gründung der Julius-Universität und des Julius-Spitals, als wichtige Schritte zur Modernisierung des Hochstifts hin. Die Schattenseiten jenes Julius Echter jedoch werden bei Mälzer oft allzu sehr verharmlost und in ihren schrecklichen Konsequenzen für die damalige Bevölkerung des Hochstifts ignoriert. Die von der Gegenreformation vertriebenen Protestanten nennt Mälzer immer wieder beschönigend „die protestantischen Auswanderer“[32], stellt jedoch fest, dass „etwa 120 lutherische Pfarrer und Lehrer“[33] und „500 aus dem Hochstift emigrierte Familien“[34] in jenen Jahren in den benachbarten evangelischen Gebieten eine neue Heimat fanden. Aus Karlstadt wurden im Zuge der Gegenreformation allein 80 Familien vertrieben. Folgerichtig findet sich bei Mälzer auch kein Hinweis auf den finanziellen Aspekt jener Vertreibung, denn „der Erlös aus den Gütern der Exulierten fiel zu einem Drittel dem Bischof zu“[35].

 

In der seiner Würdigung der Persönlichkeit Julius Echters nennt Mälzer ihn dann auch einen „frommen Fürsten“[36], der ein Lebenswerk hinterließ, „das auch heute zu Lob und Bewunderung herausfordert“[37]. Nur mit wenigen Sätzen erwähnt er die Schattenseiten des Julius Echter und beschreibt die Hexenverfolgungen lediglich als Folge einer zeitbedingten Verblendung. Wörtlich schreibt er: „Aber es gibt auch Schattenseiten. Nicht übergangen werden darf an dieser Stelle, was wir uns heute mit Schrecken vergegenwärtigen, dass unter Julius Echter, besonders gegen Ende seiner Regierungszeit, erneut Hexenverfolgungen stattgefunden haben. Auch hier ist fromme Gesinnung am Werk gewesen. Der Jesuitenpater Gerhard Phyen, Echters Beichtvater, hat bei diesen Vorgängen eine wichtige Rolle gespielt. Zu Ostern 1617, in Echters letztem Lebensjahr, wurde im Würzburger Dom bekannt gemacht, dass 1616 im Hochstift 300 Hexen verbrannt worden waren. Echter hat sich hier über die herrschenden Vorurteile seiner Zeitgenossen, um eine Formulierung von Franz Xaver Wegele aufzugreifen, nicht zu erheben vermocht.“.[38]

 

Die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung, die vielen systematischen Hexenprozesse, denen allein in Gerolzhofen 261 Menschen zum Opfer fielen und die Härte und Kompromisslosigkeit mit der Echter die Gegenreformation vollzog bleiben bei Mälzer leider oft nur Randnotizen im Leben des „frommen Fürsten“.

 

Albrecht Schübel berichtet von einem Ereignis, das einen guten Einblick in diese Härte der Persönlichkeit Echters gibt.[39] Auf einer Reise nach Ansbach traf der Landgraf Ludwig von Marburg im Jahr 1585 eine Gruppe von Exulanten aus Karlstadt. Als er in Karlstadt übernachtet, werden ihm zwei Bittschriften überreicht, in denen die Karlstadter Bürger den Landgrafen bitten, sich beim Würzburger Fürstbischof für sie zu verwenden. Ludwig von Marburg sendet daraufhin ein Schreiben nach Würzburg, „in dem er hervorhob, er habe sich von der Unbescholtenheit der Exulanten überzeugt und vergewissert, dass sie um ihres Glaubens willen ins Elend geschickt worden seien.“[40] Der Landgraf bat Echter schließlich um die Rehabilitierung der Exulanten aus Karlstadt. Die Antwort des Fürstbischofs zeigt dessen unnachgiebige Härte, wenn Echter schreibt: „Wenn sich die Exulanten jetzt in übler Lage befänden, sei das ihre eigene Schuld. Sie hätten weder seine Befehle noch seine Drohungen beachtetet und die von ihm gesetzte Frist aus Leichtsinn unbenutzt gelassen.“ Des Weiteren hat sich Echter in seinem Antwortschreiben auf die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens berufen, die ihm zu diesem Schritt ermächtigen würden. Ferner verbot er sich energisch weitere Einmischungen in die inneren Angelegenheiten des Hochstifts. Denn dazu sei der Landgraf aufgrund der Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens keineswegs ermächtigt. 1585 mussten die evangelischen Familien Karlstadt verlassen.

 

Viel differenzierter und realistischer betrachtet Michael Meister[41] das Leben des Julius Echter. Schon im Untertitel seiner Biografie nennt er ihn einen “Fürstbischof zwischen Triumph und Tragik“. Neben den unbestrittenen Verdiensten Echters setzt sich Meister sehr differenziert mit der Ambivalenz dieses großen Bischofs auseinander, der mit Geradlinigkeit und Verbissenheit den „Fortbestand der alten Lehre“ sichern wollte und dessen Verdienst es ist, „den Katholizismus im Herzen Deutschlands fest verankert“[42] zu haben. Auch das düsterste Kapitel im Wirken des Fürstbischofs wird von Meister weder relativiert noch mit den damals vorherrschenden geistigen und geistlichen Denkstrukturen entschuldigt. „Es hilft nichts. … Der Beweise sind zu viele, nicht nur die mündliche Überlieferung, sondern auch die schriftlichen Zeugnisse weisen es aus. Julius Echter von Mespelbrunn war es, der eigentlich als erster in seinem Herrschaftsgebiet die Hexen, jedenfalls solche, die er dafür hielt, systematisch verfolgt. Und selbst in Fällen, in denen die zur Grausamkeit erzogenen Richter die Anschuldigungen als so widersinnig befanden, dass sie die Angeklagten laufen ließen, befahl der Echter, sie wieder einzufangen und abermals auf die Folter zu spannen. Das steht unwiderlegbar fest.“[43] In seinem Nachwort schließlich kommt Meister zu dem Schluss: „Alles in Allem: Er war ein großer, einmaliger Herrscher, aber auch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen – ein Fürstbischof zwischen Triumph und Tragik.“[44]

 

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Julius Echter wurde am 18. März 1545 in Mespelbrunn als zweiter Sohn von Peter III. Echter von Mespelbrunn (1520-1576) geboren. Seine Mutter Gertraud von Adelsheim (1525-1583) und der Hauskaplan Georg Amersbach übernahmen zusammen mit dem Vater die religiöse Erziehung des Knaben, über die Echter später einmal berichtet: „Ich bin von frühester Jugend durch Gottes Gnade so erzogen worden, dass ich geziemendermaßen zur Verteidigung der heiligen katholischen Kirche und des Glaubens all das Meinige beitragen muss.“[45] Sehr früh wurden also die Weichen für den zukünftigen Lebensweg des Gegenreformators und Fürstbischofs gestellt. Prägend sollte auch die Zeit am Jesuitenkolleg in Köln werden. Von 1558 bis 1561 besuchte Julius Echter dieses „Collegium Tricoronatum“, das 1557 als erste große Schule des Jesuitenordens in Deutschland gegründet worden war. Es war der Wunsch des Vaters, dass seine Söhne Julius und Adolf am dortigen Gymnasium eine umfassende Erziehung durch die Jesuiten erhalten sollten.

 

Im Sommer 1561 begann Echter seine Universitätsausbildung in Löwen, die er dann im Herbst 1567 an der Universität in Pavia mit dem kanonistischen, d.h. kirchenrechtlichen, Lizentiat abgeschlossen hat. Zwischenaufenthalte in Rom[46] und in Wien erweitern seinen Horizont, so dass er nach einer Abwesenheit von 11 Jahren „als geschulter Jesuit und guter Kenner der Restaurationsbestrebungen des Katholizismus“[47] nach Mespelbrunn zurückkehrt.

 

Am 10. November 1569 wurde Echter Domherr im Würzburger Domkapitel. Auf seinen eigenen Antrag hin wurde er vierundzwanzigjährig in dieses wichtige Gremium aufgenommen. Nach nur einem weiteren Jahr wurden ihn in Würzburg die Ämter des Domscholasters und Domdekans[48] übertragen. In Mainz wurde er noch im gleichen Jahr zum Domkapitular gewählt und 1571 schließlich auch in Bamberg in das Domkapitel aufgenommen. Damit war der Weg für eine unvorhersehbare und steile kirchliche Karriere geebnet. Am 1. Dezember 1573 wurde der erst achtundzwanzigjährige Julius Echter in Würzburg vom Domkapitel zum neuen Bischof gewählt.[49] Im Juni 1574 erfolgte die förmliche Zustimmung durch Papst Gregor XIII. Kaiser Maximilian II. erteilte Julius Echter am 4. Mai 1575 in einem Lehensbrief die Hoheitsrechte über das Fürstbistum Würzburg. Echter war nun Inhaber der weltlichen und geistlichen Macht im Hochstift.

 

Zielstrebig begann Echter in den folgenden Jahren mit der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistlichen Reform des Hochstifts. Schon in den ersten Jahren nach seiner Bischofswahl nahmen die Pläne, die sozialen Missstände in der öffentlichen Armenpflege und den Bildungsnotstand zu beheben, konkrete Gestalt an. Mit dem Julius-Spital und der neuen Julius-Universität sollten die christliche Nächstenliebe und die christliche Gelehrsamkeit umfassend gefördert werden.

 

Am 12. März 1576 wurde von Echter der Grundstein zu einem neuen Spital gelegt. In der Vorstadt Pleich sollte auf dem Gelände des ehemaligen Judenfriedhofs eine karitative Stiftung errichtet werden. Die Proteste der jüdischen Bewohner wurden nicht beachtet. Bereits am 10. Juli 1580 konnten Teile des neuen Spitals eingeweiht werden. 1585 war der gesamte Gebäudekomplex fertig gestellt, der nun als Altenpflegeheim, Waisenhaus und Pilgerherberge verwendet werden sollte. Eine Stiftung sicherte von nun an die wirtschaftliche Versorgung des Spitals. Gottfried Mälzer ist uneingeschränkt zuzustimmen, wenn er feststellt, dass in dieser Stiftung, in die Echter „auch einen beträchtlichen Teil seines Privatvermögens hineingab, ein persönliches, entschiedenes Bekenntnis zur tätigen christlichen Nächstenliebe“[50] deutlich wird. In den folgenden Jahren wurden ähnliche Spitalordnungen für viele Spitäler in den Städten und Gemeinden des Hochstifts erlassen.[51]

 

Ein päpstliches Privileg vom 11. Mai 1575 und ein kaiserliches Privileg vom 28. März 1576 ermöglichten die Gründung einer neuen Universität in Würzburg, die Echter gegen die Widerstände des Domkapitels im Jahr 1582 vollzogen hat. Neben der Gründung der Hochschule entstand in Würzburg auch das Collegium St. Kilian, das eigentliche Priesterseminar, das Julianum, ein Adelsseminar, das Collegium Marianum für die Schüler des Gymnasiums und das Collegium Pauperum für arme Studenten. Der Jesuitenorden wurde nun mit der Besetzung der Professorenstellen an der philosophischen und theologischen Fakultät beauftragt. Von Anfang an sollte die neue Universität eine klare konfessionelle Ausrichtung haben. „Nur wer das Tridentinische Glaubensbekenntnis beschworen hatte, konnte an ihr tätig sein.“[52]

 

Bei allen Prozessionen in der Stadt Würzburg mussten in den folgenden Jahren die Professoren und der Rektor hinter dem Bischof wallen. Damit sollte öffentlich sichtbar werden, dass an der neuen Julius-Universität nur bekennende und vor allem auch praktizierende Katholiken lehren würden. Ein neues Universitätsgebäude und eine Universitätskirche wurden mit erheblichen Mitteln[53] errichtet.

 

altProgrammatisch war auch die Einweihung der neuen Universitätskirche am 8. September 1591, dem Fest Mariä Geburt. Diese Weihe wurde als Siegesfeier der Gegenreformation im Bistum Würzburg zelebriert. „Das geschah durch den Aufmarsch des gesamten Militärs, sämtlicher Musikkapellen, die Anwesenheit wertvoller Teppiche, die abendliche Illumination der Stadt und der Burg. Er legte auch größten Wert darauf, möglichst viele repräsentative Gäste von auswärts zu diesem Fest in seiner Stadt zu versammeln“.[54] Ein großes Spektakel fand statt und demonstrierte aller Welt, dass das Bistum nun wieder in der alten Lehre geeint und ein herrliches Beispiel für den Siegeszug der Gegenreformation sei.

 

Mit ersten Schritten zur Durchführung der Gegenreform im Hochstift hatte Echter bereits kurz nach seiner Bischofsweihe begonnen, als er rigoros gegen die Priester im Bistum vorging, die in einem so genannten Konkubinat lebten.[55] Als nächster Schritt wurden bei passenden Gelegenheiten alle protestantischen Amtsträger[56] aus ihren Ämter enthoben und durch treue Katholiken ersetzt. Nur wer binnen einer festgesetzten Frist konvertierte, konnte in Amt und Würden bleiben. So begann die Gegenreformation das Gesicht des Bistums zu verändern.

 

Spätestens ab 1585 wurden regelmäßige Visitationen der Landstädte zum weiteren wirkungsvollen Mittel, die Gegenreformation auch in den Städten und Dörfern des Hochstiftes durchzusetzen. In den Jahren 1585 und 1586 hat Julius Echter persönlich an diesen Visitationen teilgenommen. Er selbst wollte die „Ausreutung“[57] der protestantischen Lehre in die Hand nehmen. Die Visitationen vollzogen sich immer nach dem gleichen Muster. Geistliche, Ratsherren und Bürgermeister wurden vorgeladen und über die Reformvorstellungen informiert. Nach einer kurzen Bedenkzeit sollten sie sich öffentlich durch den Besuch der Messe und der Teilnahme an der Kommunion wieder zur katholischen Kirche bekennen. Trugen diese Ermahnungen keine Früchte, so wurden immer Zwangsmaßnahmen ergriffen. Damit blieb den Evangelischen Geistlichen nur die Wahl zwischen der Konversion oder der Vertreibung. Gleiches galt auch für Privatpersonen und Bürgerinnen und Bürger der Städte und Gemeinden.

 

In den Jahren 1586 und 1587 begleitete der Jesuitenpater Oliver Manare Julius Echter auf diesen Reisen durch das Bistum. Aus seinen Aufzeichnungen wird deutlich, wie erfolgreich diese Visitationen waren. Bis 1587 konnten 14 Städte[58] und 200 Ortschaften rekatholisiert werden.

 

Ab dem März 1587 verlagerte sich das Interesse des Fürstbischofs auf die Stadt Würzburg. Zunächst wurde der Magistrat mit Bürgermeister und Ratsherren belehrt, ermahnt und verhört. Vier evangelische Mitglieder des Rates der Stadt verließen daraufhin Würzburg. Der Ausbau des evangelischen Friedhofs vor dem Pleichertor wurde untersagt. Schon einige Jahre zuvor hatte der Kirchner am Domstift darüber geklagt, dass die Einnahmen für das Grabgeläute drastisch zurückgehen würden, denn „viele Verstorbene lassen sich auf dem lutherischen Kirchhof begraben“[59]. Die Intervention Echters war so erfolgreich, dass der evangelische Friedhof aufgelassen werden musste.

 

In Würzburg wurde ein Überwachungssystem installiert, indem für jedes Stadtviertel und jede Pfarrei eine Kommission eingesetzt wurde, die alle Bürger der Stadt befragen und deren Einstellung zur Religion dokumentieren sollte.[60] Nach der Belehrung und der Androhung von Zwangsmaßnahmen wurden die Bürger der Stadt vor die Alternative gestellt, an der Ostermesse teilzunehmen, oder die Stadt zu verlassen.

 

Innerhalb weniger Jahre wurden etwa 100000 Menschen rekatholisiert. 120 evangelische Pfarrer wurden des Landes verwiesen. Die Jesuiten wurden mit der weiteren Durchführung der Reform des Hochstifts im Sinne des Konzils von Trient beauftragt. Das Schulsystem, die Verwaltung des Hochstifts, Liturgie und kirchliches Leben wurden in den folgenden Jahren grundlegend erneuert. Viele sogenannte Echtertürme sind heute ein steinernes Zeugnis für den Erfolg der Gegenreformation in Mainfranken.

 

Die Reichspolitik, der Ausbau und die Verwaltungsreform des Hochstifts sollten die nun folgenden Jahre prägen. Echter tritt nun immer öfter auch als Bauherr in Erscheinung. In vielen Städten und Gemeinden wurden Kirchen, Pfarr- und Schulhäuser instand gesetzt.

 

Bei der Gründung der „Liga Sancta“, einem Militärbündnis der katholischen Reichsstände, hat Julius Echter mit Maximilian I. von Bayern an exponierter Stelle mitgewirkt. Nachdem bereits 1608 die protestantische „Union“ ins Leben gerufen worden war, waren nun die konfessionellen Gegensätze im Reich unüberbrückbar geworden. Als Julius Echter am 13. September 1617 starb, war der Weg in einen großen Krieg scheinbar unvermeidbar geworden.

 

Diese Verschärfung des Konflikts zwischen den Konfessionen wird sehr gut an einem Spottgedicht deutlich, das nach dem Tod Julius Echters unter den evangelischen Reichsständen verbreitet wurde:

 

 

„Gelobet seyst du Jesu Christ,

Daß Bischof Julius gestorben ist

An einer Pheben das ist wahr!

Deß freuet sich des Adels Schar.

 

Des ew`gen Geizes einig Kind

Jetzo man in der Grube findt! …

Den der fränkisch Kreis nie beschloß,

Der liegt jetzt in der Höllen Schoß ...

 

Er ist ein Würmlein worden klein,

Der all Ding begehrt allein ...

Dies alles hat er uns getan,

Jetzt aber freut sich jedermann

Im Frankenlandes weit und breit,

Daß Bischof Julius begraben leit.“[61]

 

Auf katholischer Seite fiel das Urteil natürlich dementsprechend gegenteilig aus. Eine Inschrift in Mellrichstadt bezeugt das Lebenswerk Echters mit folgenden Worten:

 

„Bischof Julius 40 Jahre regiert,

die Pfarr dotiert, die Kirch regiert,

das Pfarr- und Schulhaus erbauet neu,

nachfolget mehr aus Vatertreu,

führt ein die alte Religion,

die frei bekannt sein Unterton,

das alles nur zum Glück und Segen

der treue Fürst thut Gott ergeben.“[62]

 

Die große Wertschätzung, die Julius Echter innerhalb der katholischen Kirche erfuhr wird an den Worten deutlich, die der Würzburger Tuchscherer Jakob Röder zum Todestag des Fürstbischofs in seinen Kalender schrieb: „Gott geb` uns Franken wieder einen solchen Vater und Haushalter.“

 

So bleiben die unbestrittenen Verdienste dieses großen Bischofs. Es bleiben aber auch der Zwiespalt und die Widersprüche in seiner Persönlichkeit. Michael Meisner ist zuzustimmen, wenn er sagt: „Alles in allem: Er war ein großer einmaliger Herrscher, aber auch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen – ein Fürstbischof zwischen Triumph und Tragik.“[63]

 



[1] Vgl. dazu Albrecht Schübel, Das Evangelium in Mainfranken, München 1958.

[2] Aus der reichsunmittelbaren Ritterschaft waren dies z.B. die Familien von Bibra, von Crailsheim, von Hutten, von Lichtenstein, von Ostheim, von Münster, von Rotenhan, von Seinsheim, von Schwarzenberg, von Altenstein, von Steinau, von der Tann, von Wetzhausen, von Wolfskeel, von Zobel und die Familie von Thüngen.

[3] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 9.

[4] Vgl. dazu Werner Zapotetzky, Karlstadt, Karlstadt 3. Auflage 1994, S. 101f.

[5] „Seit Sommer 1521 beanstandete das Domkapitel seine kirchenkritische Predigt, die er selbst in der Rückschau als evangelisch auffasste. Schon im November 1521 zog Speratus nach Wien weiter. Sein hier in der Predigt vorgetragenes Verständnis vom „solus Christus“, von der „sola scriptura“ und von der  „sola fides“ entsprach ebenso wie die von ihm vertretene Auffassung vom allgemeinen Priestertum der Lehre Luthers; ausdrücklich nahm er gegen die Mönchsgelübde Stellung. Es wird angenommen, dass Speratus bereits in Würzburg in dieser Weise gepredigt hat.“, Franz Machilek, Das Mainzer Oberstift ..., in Handbuch der Geschichte der Evangelischen Kirche in Bayern, Band 1, hrsg. von Gerhard Müller, Horst Weigelt und Wolfgang Zorn, St. Ottilien 2002, S. 262.

[6] Paul Speratus schrieb 1523 den Text zu dem Gesangbuchlied „Es ist das Heil uns kommen her“ (EG 342). Dieses Lied ist ein Zeugnis reformatorischer Theologie und Rechtfertigungslehre. Im 5. Vers findet sich eine knappe Zusammenfassung der reformatorischen Entdeckung Martin Luthers: „Daran ich keinen Zweifel trag, dein Wort kann nicht betrügen. Nun sagst du, dass kein Mensch verzag -das wirst du nimmer lügen-: »Wer glaubt an mich und wird getauft, demselben ist der Himmel erkauft, dass er nicht werd verloren.«“

[7] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 25. Auch von Johann Gramann, genannt Poliander, findet sich ein Lied im Evangelischem Gesangbuch. „Nun Lob, mein Seel, den Herren“ (EG 289) ist eigentlich ein Psalmlied nach Psalm 103. Gerade im 2. Vers thematisiert er die Rechtfertigung des Sünders aus Gnade: „Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht, dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht; sein' Zorn läßt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold; sein Güt ist hoch erhaben ob den', die fürchten ihn; so fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.“

[8] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 27.

[9] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 27.

[10] Werner Zapotetzky, a.a.O., S. 106.

[11] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 32.

[12] Zur Geschichte der Grafschaft Wertheim vgl. Hermann Ehmer, Geschichte der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1989.

[13] Im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen wurden diejenigen Personen und Institutionen als reichsunmittelbar bezeichnet, die direkt und unmittelbar nur dem Kaiser unterstanden. Deshalb konnten die reichsunmittelbaren Grafen die Reformation bereits vor dem Augsburger Religionsfrieden einführen.

[14] „Wessen Gebiet, dessen Religion“, d. h. der Landesherr bestimmt nach 1555 die Konfession seiner  „Landeskinder“. Erst nach 1555 konnten die adeligen Landesfürsten endgültig und rechtlich anerkannt die Reformation einführen.

[15] Hermann Ehmer, a.a.O., S. 103.

[16] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 106.

[17] Hermann Ehmer, a.a.O., S. 105.

[18] Zur Geschichte der Reformation in Wertheim vgl. auch F. Kobe, Die Reformation in der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1924.

[19] Hermann Ehmer, a.a.O., S. 109.

[20] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 107.

[21] Vgl. dazu Christoph Bauer, Die Einführung der Reformation, die Ausgestaltung des evangelischen Kirchenwesens und die Auswirkungen der Gegenreformation im Gebiet der Herren von Thüngen, Arbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns, Band 60, Neustadt a.d. Aisch 1985.

[22] Christoph Bauer, a.a.O., S. 5.

[23] So z. B. zwischen 1444 und 1446 Gräfendorf, aber auch Wolfsmünster, Dittlofsroda, Weikersgrüben, aber auch Besitzungen im Schondragrund, im Werntal und im Sinntal.

[24] Christoph Bauer, a.a.O., S. 23.

[25] Christoph Bauer, a.a.O., S. 23.

[26] Christoph Bauer, a.a.O, S. 64.

[27] Vgl. dazu Fritz Kobe, Die erste lutherische Kirchenordnung in der Grafschaft Wertheim, Veröffentlichungen der evangel. Kirchenhistorischen Kommission in Baden, Heft VIII, Lahr 1933.

[28] Fritz Kobe, a.a.O., S. 17.

[29] Gottfried Mälzer, Julius Echter, Würzburg 1989.

[30] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 9.

[31] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 9.

[32] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 59f.

[33] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 60.

[34] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 60.

[35] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 38.

[36] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 115.

[37] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 119.

[38] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 115.

[39] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 50f.

[40] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 51.

[41] Michael Meister, Julius Echter von Mespelbrunn, Würzburg 1989.

[42] Michael Meister, a.a.O., S. 140 ff.

[43] Michael Meister a.a.O., S. 172.

[44] Michael Meister, a.a.O., S. 227.

[45] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 25.

[46] Vermutlich hat er dort auch das Collegium Romanum, das Jesuitenkolleg besucht; vgl. Schübel, a.a.O., S. 35. Anders jedoch Mälzer, der nur von einem kurzen Romaufenthalt  spricht; vgl. Mälzer, a.a.O., S.26.

[47] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 35.

[48] Damit war Julius Echter der Vorsitzende des Domkapitels. Der Inhaber dieses Amtes war bei einer Bischofswahl immer auch ein aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge des verstorbenen Bischofs.

[49] Zum Verlauf der Bischofswahl vgl. Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 32ff.

[50] Gottfried Mälzer, a.a.O., S.41.

[51] „Die Spitalordnungen kümmern sich nicht nur um einen geregelten Spitalbetrieb und das leibliche Wohl der Insassen, sondern auch ganz nachdrücklich um deren christlichen Lebenswandel. So wird beispielsweise in der >Oeconomia Hospitalis Julii|< oder >Julier Spitals-Haushaltung< von 1579 unter der >Pflicht der Armen< aufgezählt, dass sie täglich drei Rosenkränze beten sollen, einen für das Heil der ganzen Christenheit, einen für den Stifter des Spitals und einen für sich selbst. Täglicher Gottesdienstbesuch galt als selbstverständlich. Selbst die Kräuterfrau, die im Sommer in aller Frühe losging, um Kräuter zu suchen, |wurde per Instruktion angehalten, >daß sie Zuvor eine Meß höre<.“, Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 42.

[52] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 51.

[53] Die Baukosten betrugen 32293 Gulden.

[54] Michael Meisner, a.a.O., S. 122.

[55] „Kurze Zeit nach seiner Bischofsweihe bestellte er Vertreter der vier Kollegialstifte zu sich und eröffnete ihnen, dass er das verbotene Konkubinat nicht länger dulden werde. Da am Ernst seiner Ermahnung noch Zweifel zu bestehen schienen, ließ er bald danach eine der betreffenden Frauen festnehmen, erst ins Narren-Haus dann ins Stockhaus bringen und schließlich aus der Stadt ausweisen. Solche Maßnahmen machten Eindruck.“, Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 59.

[56] So z. B. Lehrer, Ratsherren, Bürgermeister, Pfarrer, Prädikanten u.a.

[57] Vgl. Albrecht Schübel, a.a.O., S. 37ff.

[58] Darunter z.B. Arnstein, Dettelbach, Fladungen, Gerolzhofen, Gemünden, Haßfurt, Karlstadt, Münnerstadt, Neustadt an der Saale und Volkach.

[59] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 34.

[60] „Dabei ergab sich, daß die Hälfte der Bürgerschaft und namentlich der wohlhabendere Teil evangelisch war. Von nun an sollte nur Angehörigen der katholischen Kirche das Bürgerrecht verliehen werden. Ein Verzeichnis verbotener Lieder wurde veröffentlicht. Ein polizeilicher Überwachungsdienst wurde eingerichtet, der private Handlungen der Evangelischen zu bespitzeln hatte, etwa, ob und wann der Stadtschreiber mit seiner Frau einen auswärtigen Gottesdienst besuchte oder welcher Wirt die Fastengebote übertrat oder, wer, auf die Gefahr hin, 100 Gulden Strafe zahlen zu müssen, einen fremden Prädikanten in Anspruch nahm. Die Osterkommunion wurde angeordnet. Viele kamen und ließen ihren evangelischen Glauben fahren.“, Albrecht Schübel, a.a.O., S. 51.

[61] Gottfried Mälzer, a.a.O., S. 113f.

[62] Albrecht Schübel, a.a.O., S. 52.

[63] Michael Meisner, a.a.O., S. 227.