Kunstvolle Paramente schmücken den Altarraum

Seit März 2020 begleiten uns die neuen Paramente. Sie sind ein Geschenk der Künstlerin Ruth Borisch an die Kirchengemeinde. Frau Borisch   spendete ihre gesamte Schaffenszeit, die Materialkosten übernahm ein Spender aus der Kirchengemeinde. Herzlichen Dank!

Gedanken der Künstlerin

Zu Beginn der Arbeit an den Altarbehängen habe ich mich an meine Ausstellung in St. Johannis im Herbst 2018 erinnert, der ich den Titel „Kreuzzeichen – Lebenszeichen – Zeichensprache“ gegeben hatte.

Würde es mir jetzt, wo der weiße Stoff vor mir liegt, gelingen, eine Zeichensprache zu entwickeln, die sowohl das Kreuz als auch das Leben wiedergibt und damit im Lauf des Kirchenjahres Zeichen setzen kann? Mit unterschiedlichen Gefühlen beginne ich meine Arbeit und stelle fest, dass einerseits die langjährige Beschäftigung mit Stoff und Farbe Sicherheit gibt und andererseits die Freude an der praktischen Arbeit mich trägt.

Das Wissen um die Bedeutung der Liturgischen Farben Weiß, Rot, Violett und Grün ist vorhanden, spielt jetzt bei der Ausführung der Behänge nur noch eine untergeordnete Rolle. Die praktische Arbeit, das „in Form bringen“ meiner Gedanken rückt in den Mittelpunkt und lässt meinen übrigen Alltag in den Hintergrund rücken.

Je nach Fortschritt und getaner Arbeit hinterfrage ich mich, ob und wie sehr ich mein inneres Bild, meine Vorstellung wie es werden soll, verwirklicht sehe. Kann das Violett der Passionszeit die Trauer, aber auch die Hoffnung auf die Auferstehung zeigen? Enthält das Weiß, Farbe des Lichts und der Auferstehung, den Blick auf die Tiefe und Unendlichkeit, die ich im Weiß sehe?

Ob im Rot, Farbe des Feuers und der Liebe, die Energie und die Erleuchtung des Pfingstereignisses, spürbar wird? Und strahlt das Grün, Farbe der Hoffnung in den übrigen Zeiten des Kirchenjahres, das Werden, Wachsen und Sein aus, was uns in der Schöpfung immer wieder begegnet?

Nach Fertigstellung aller Antependien macht sich Erleichterung, aber auch Dankbarkeit in mir breit. Wieder einmal habe ich versucht, eigene Gedankengänge sichtbar zu machen und damit auch den Betrachtern einen Einstieg in persönliche Interpretationen zu geben. Vielleicht kann ich mit meiner Arbeit doch ein Zeichen setzen in und für die Gemeinde St. Johannis, in erster Linie aber ein Zeichen zur Ehre Gottes.

Ruth Borisch